„Wir haben klar gesagt, diejenigen die in wirklich existenzieller Not sind, die wollen wir unterstützen.“

Wir haben Frau Julia Klöckner, Ministerin für Landwirtschaft und Ernährung,  im Bundesministerium in Bonn besucht und mit ihr im persönlichen und exklusiven Interview über die aktuelle Unterstützung von Landwirten, die wegen der enormen Hitzewelle dieses Sommers zu leiden haben und ihre Zukunftsprojekte gesprochen. 

Frau Ministerin, seit März 2018 sind nun ein paar Monate in Ihrem neuen Amt als Ministerin für Landwirtschaft und Ernährung vergangen. Wie haben Sie sich eingelebt, was verlangte in den ersten Monaten Ihre größte Aufmerksamkeit und was sind die Ziele für die nächsten drei Jahre?

Lange einleben und gewöhnen, dazu war überhaupt keine Zeit. Es ging ja sofort los mit den Themen: Mit der europäischen Agrarpolitik auf Brüsseler Ebene, die Frage um Pflanzenschutzmittel, dann das Thema Bienenschutz… und im August hatte ich mit der lang anhaltenden Trockenheit und der Hilfen für die Landwirte viel zu tun. Und was meine Ziele sind, da will ich nur einige Schlagworte nennen: Wichtig ist mir, dass wir die grünen Berufe attraktiver gestalten für die Zukunft. Denn wir wollen eine flächendeckende, nachhaltige, familiengeführte Landwirtschaft in Deutschland haben. Wichtig ist bei der Ernährung, dass wir in Lebensphasen denken und uns daran orientieren. Dabei setze ich auf die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Bildung. Mein Ministerium hat zum Beispiel das Institut für Kinderernährung am Max Rubner-Institut eingerichtet, um die Ursachen von Fehlernährung zu untersuchen. Zusammen mit umfassender Ernährungsbildung ab dem Kleinkindalter legen wir damit den Grundstein, um Übergewicht und Fehlernährung im nächsten Schritt zu beheben. Weiter voranbringen will ich das Thema Leben und Arbeiten auf dem Land. Ich habe deshalb eine neue Abteilung „Ländliche Entwicklung, Digitale Innovation“ in meinem Ministerium eingerichtet. 2019 werde ich ein freiwilliges staatliches Tierwohlkennzeichen einführen. Sie sehen, ich könnte noch lange weiter die Themen aufzählen, mit denen ich mich und mein Ministerium sich beschäftigen. Das Haus ist groß.

In den letzten Wochen haben Deutschland und ganz Europa eine enorme Hitzewelle erlebt. Die Landwirte fordern von der Bundesregierung finanzielle Unterstützung. Was gedenken Sie zu tun – es gab jüngst ja schon einige Beschlüsse? Und finden Sie Landwirte sollten Rücklagen für schlechte Zeiten schaffen, ist das vielleicht auch ein Jammern auf hohem Niveau?

Es gibt nicht DIE Landwirte. Und es gibt nicht DIE Landwirtschaft. Da müssen Sie schon unterscheiden. Die Bauern stehen morgens auf, wenn andere noch schlafen und gehen ins Bett, wenn andere schon schlafen. Sie arbeiten, wenn andere Urlaub machen oder Wochenende haben. Außerdem ist die Landwirtschaft nicht irgendeine Branche. Die Landwirte stellen unsere Mittel zum Leben her. Also das sind wirklich Leute, die ohne den Mindestlohn arbeiten, weil ihnen die Arbeit mit Tieren und mit dem Grund und Boden Freude macht. Die Trockenheit hat vor allem den Viehhaltern zu schaffen gemacht, ohne Futter für die Tiere wird es eng. Und wenn das Winterfutter schon verfüttert wird, dann wird es noch enger. Und insofern kann man den Landwirten doch keinen Vorwurf machen. Das trifft Biolandwirte wie konventionelle Landwirte – und wir haben klar gesagt, diejenigen, die in wirklich existenzieller Not sind, die wollen wir unterstützen. Auf Basis von Zahlen und Fakten habe ich entschieden, dass es sich um ein Wetterereignis von nationalem Ausmaß handelt. Der Bund beteiligt sich an den Hilfsprogrammen der Länder. Wir helfen – nicht mit einer Vollkaskomanier, aber schon denjenigen, die wirklich einen massiven Einbruch haben und in ihrer Existenz gefährdet sind.

Vielen Dank, Julia Klöckner, vielen Dank Dirk Crecelius, der das Interview in unserem Auftrag führte.