„Wir müssen jetzt erst nochmal investieren, damit wir die Brücke dann so lange am Leben halten bis die neue gebaut ist.“

Wir haben den Baudezernenten der Stadt Koblenz, Bert Flöck, getroffen und uns mit ihm u.a. über unsere Stadt, Wohnraum, aktuelle Projekte und das leidige Thema Brückensanierungen, unterhalten.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach den Koblenzer als Menschenschlag aus und die Stadt als solche?

Die einzige Stadt an Rhein und Mosel, wie es so schön heißt. Wobei das „einzige“ natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint ist. Die einzige an zwei Flüssen aber auch im Sinne von einzigartig. Koblenz hat, finde ich, durch die Gartenschau und alles was dadurch entstanden ist, sehr viel gewonnen – nicht nur an Baulichkeiten, sondern auch an Flair. „Koblenz verwandelt“ war ja das Motto der BUGA und das trifft auch auf die Menschen zu. Ich habe den Eindruck, dass die Leute stolz sind auf ihre Stadt, vielleicht mehr als früher, und man kann hier einfach wunderbar leben und arbeiten. Durch die ganze Infrastruktur, die wir in der Stadt erschaffen haben, ist es einfach ein richtiges Oberzentrum geworden mit tollem kulturellen Angebot. Und insofern arbeite und wohne ich gerne hier.

Welche Ziele, die Sie sich als Baudezernent gesetzt haben, die Ihnen besonders am Herzen lagen, konnten Sie umsetzen?

Ich bin erst seit drei Jahren im Amt und manches ist ja ein Prozess. Ein Thema das mir ganz besonders am Herzen liegt, ist Wohnraum. Da kann man in zwei bis drei Jahren nicht die Welt verändern. Man kann Dinge anschieben, und sie nach und nach umsetzen. So haben wir zum Beispiel erreicht, dass man jetzt wirklich sagt, die Stadt muss selber mit der Wohnungsbaugesellschaft möglichst viel bauen, muss dafür gegebenenfalls auch auf dem freien Markt Grundstücke ankaufen oder eigene Grundstücke nicht verkaufen. Weil wenn die Stadt selber keinen günstigen Wohnraum schafft, dann kann man es auch nicht vom Privaten erwarten. Das ist eine Sache, die mir sehr wichtig ist. Dann war ganz schnell klar, 2020: Neuer ÖPNV. Da war es die Aufgabe des Baudezernates den Nahverkehrsplan zu entwickeln. Das hört sich jetzt sehr trocken an, umfasst aber die Anforderungen des ÖPNV, zum Beispiel die Umstellung von Diesel auf Gas-Busse, mehr Linien, kürzere Takte, mehr Nachtbusse, günstigere Preise – und dieses ganze Konzept ist hier mit unseren Kollegen im Baudezernat entstanden. Wir haben es im Stadtrat einstimmig zum Beschluss gefasst. Das kommt jetzt auch wegen dem Klimaschutz zustande. Und natürlich gibt es ein paar Großprojekte, die man gerne jetzt realisieren möchte, wie zum Beispiel den Bau neuer Schulen in der Goldgrube und im Rauental. Ein großes Projekt ist auch die Fritsch-Kaserne. Da sind wir jetzt soweit, dass der Bund das Grundstück demnächst verkauft und dort ein kleiner Stadtteil mit 2500 Menschen entsteht. So kann man die Bandbreite fortsetzen… Wir bereiten uns natürlich auch jetzt schon auf die Bundesgartenschau 2029 vor. Wir werden als Stadt dazu beitragen und unsere eigene Festung, also Fort Konstantin, Fort Asterstein und Feste Franz in Ordnung bringen, wollen für jedes dieser Festungsteile ein eigenes Nutzungskonzept machen, nachdem es saniert wurde. Also da sind schon noch ein paar große Projekte an denen ich gerne arbeite.

Wenn mancher Koblenzer das Wort Brücke hört, entstehen geradezu ballistische Abwehrreaktionen. Wie gehen Sie mit dem teilweise entstehenden Unmut der Bürger um – und wie kann man dem entgegenwirken?

Also erst einmal muss man ja sagen, dass man den Unmut verstehen kann. Wenn ich jetzt nur Privatmensch wäre, würde ich wohl genauso reagieren wie viele andere auch, nach dem Motto wie kann man denn drei Brücken gleichzeitig sanieren? Aber das war weniger eine Frage des Könnens, sondern des Müssens. Also eigentlich müsste man im Prinzip dankbar sein, dass wir uns so sorgfältig nochmal die Pfaffendorfer Brücke angeschaut haben. Wenn wir es nämlich nicht gemacht hätten, hätten wir das Problem gehabt sie in zwei Jahren komplett sperren zu müssen. Und dadurch, dass wir jetzt gesehen haben, dass der Schadensverlauf sehr viel schneller war als wir vor zwei, drei Jahren gedacht, haben wir gesagt, müssen wir die Reißleine ziehen. Wir müssen jetzt erst nochmal investieren, damit wir die Brücke dann so lange am Leben halten bis die neue gebaut ist.

Vielen Dank, Herr Bert Flöck, vielen Dank Johannes Fischer, der das Interview in unserem Auftrag führte.