Vom jungen Trompeter zum vertrauten Fernsehgesicht: Stefan Mross begleitet sein Publikum seit mehr als drei Jahrzehnten. Nach dem Abschied der beliebten Fernsehsendung auf ARD „Immer wieder sonntags“ beginnt für den Entertainer ein neues Kapitel. Wir haben Stefan Mross nach seinem Auftritt auf dem Bartholomäusmarkt in Bad Ems getroffen. Im Video-Interview spricht er über die Anfänge seiner Karriere, seine Liebe zu Eva Luginger und den Wunsch, sich selbst treu zu bleiben. Dabei begegnet uns ein Künstler, der dankbar zurückblickt und trotz des Abschieds von seiner Fernsehsendung nach vorn schaut.

Hier geht’s zum Video-Interview das von NEXT-Moderator Johannes Fischer moderiert wurde.

Ein Sonntagvormittag kann zu einem vertrauten Ritual werden. Wer weiß das nicht? Für die Zuschauer von „Immer wieder sonntags“ war er über viele Sommer hinweg ein Wiedersehen: mit bekannten Melodien, beliebten Künstlern und einem Gastgeber, dessen Begrüßung für viele zum Wochenende gehörte. Stefan Mross gab diesem beliebten TV-Format seit 2005 ein Gesicht. Am 6. September 2026 führte er zum letzten Mal durch eine Live-Ausgabe der Sendung im Ersten. Eine Woche später folgte noch ein Best-of. Damit endete ein Fernsehkapitel, das seine Laufbahn über mehr als zwei Jahrzehnte geprägt hatte.

Für Mross fällt dieser Einschnitt in eine Lebensphase, in der andere Künstler längst auf ihre Karriere zurückblicken könnten. Am 26. November wird der in Traunstein geborene Musiker 51 Jahre alt. Sein Durchbruch liegt dann bereits 37 Jahre zurück. Doch die nächsten Schritte sind schon angekündigt: Mit „Immer wieder Stefan“ soll es 2027 auf große Tournee gehen. Der vertraute Gastgeber sucht die Begegnung mit seinem Publikum künftig wieder verstärkt im Konzertsaal.

Ein Junge, eine Trompete und der große Durchbruch

Stefan Mross’ Karriere begann ungewöhnlich früh. In unserem Gespräch erinnert er sich an seinen Auftritt bei einer Hochzeit in Kitzbühel im Jahr 1988. Als Elfjähriger habe er dort Trompete gespielt. Vor Karl Moik, dem prägenden Gastgeber des „Musikantenstadl“, habe er zunächst gar nicht auftreten wollen: Die Nervosität sei zu groß gewesen. Ausgerechnet dieser Mann wurde später sein Mentor und öffnete ihm die Tür zur großen Bühne. 1989 gewann Mross mit der „Heimwehmelodie“ den Grand Prix der Volksmusik für Österreich. Ein Jugendlicher aus Oberbayern stand plötzlich im Mittelpunkt einer Unterhaltungsszene, in der sich Millionen Menschen zu Hause fühlten. Mross wurde mit seiner Trompete zu einem ihrer bekanntesten jungen Gesichter. Zugleich bedeutete ein solcher Start, dass seine Entwicklung zum Erwachsenen vor den Augen der Öffentlichkeit stattfand. Während Gleichaltrige ihren Platz im Leben suchten, war seiner bereits mit Erwartungen verbunden. Der frühe Erfolg blieb keine einmalige Episode. 1994 erreichte er mit „Heilige Berge“ erneut den zweiten Platz beim Grand Prix der Volksmusik. Ein Jahr später gelang ihm dieser Erfolg gemeinsam mit Stefanie Hertel und „Ein Lied für jeden Sonnenstrahl“.

Die musikalische Zusammenarbeit mit Hertel wurde zu einem wichtigen Teil seiner Laufbahn. Bemerkenswert an diesem Weg ist vor allem seine Dauer. Aus dem jungen Musiker, dessen Geschichte sich zunächst um ein Instrument und einen Wettbewerbserfolg drehte, entwickelte sich ein vielseitiger Entertainer. Singen, moderieren, Gäste empfangen und mit einem Publikum umgehen: Mross erweiterte seine Rolle Schritt für Schritt. „Musik zu machen, war für mich eine Lebensentscheidung.“, bestätigt er im Interview.

Er beschreibt einen Weg, auf dem er gewachsen ist, ohne seine Begeisterung für den Beruf zu verlieren. Neben Karl Moik nennt er einen weiteren großen Namen: Als Ziehsohn von Udo Jürgens bezeichnet er sich im Interview selbst.

Vom Solisten zum Gastgeber

Den entscheidenden Wechsel vom Solisten zum Gastgeber brachte das Jahr 2005. Mross übernahm die Moderation von „Immer wieder sonntags“, einer Sendung, die bereits 1995 mit Max Schautzer begonnen hatte. Nach Sebastian Deyle, der 2004 durch das Format führte, wurde Mross dessen neuer Gastgeber. Die Open-Air-Show hatte seit 1998 ihre feste Heimat im Europa-Park in Rust. Damit veränderte sich auch seine Aufgabe: Ein Musiker muss seinen eigenen Auftritt tragen. Ein Gastgeber muss den gesamten Vormittag zusammenhalten: Übergänge schaffen, anderen Raum geben, das Publikum einbeziehen und die Stimmung einer Live-Sendung aufnehmen. Mross’ Stärke lässt sich dabei als eine Form der Vertrautheit beschreiben. Sein Auftreten vermittelte das Gefühl, dass auf dieser Bühne Menschen zusammenkommen, die einander kennen – selbst wenn sich viele nur über den Bildschirm begegneten.

Musik, Humor und persönliche Ansprache bildeten den Rahmen. Sich dafür zu verstellen oder zu verbiegen, kam für ihn nie infrage. Als er anfangs gefragt worden sei, ob er auch Hochdeutsch sprechen könne, habe seine Antwort gelautet: „Da bin ich raus aus der Nummer.“ So blieb er blieb bei seinem bayrischen Dialekt – und ist überzeugt, dass sich diese Entscheidung bewährt hat. Gerade bei den Drehs im Europa-Park gehörte seine unverwechselbare Art eben zu dem Gastgeber, den sein Publikum kannte und liebte. Der Europa-Park würdigte nach dem Finale besonders seine Bodenständigkeit, Herzlichkeit und Nähe zum Publikum. In der Saison 2026 erreichte die Sendung dort nach eigenen Angaben durchschnittlich 1,29 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 18 Prozent. Zahlen, hinter denen ein über Jahre gewachsenes Verhältnis zwischen Gastgeber und Publikum stand.

Warum vertraute Unterhaltung zählt

Der Reiz einer solchen Sendung liegt auch in ihrer Berechenbarkeit. Wer einschaltet, weiß ungefähr, was ihn erwartet: Musik, Begegnungen und ein Vormittag, der Leichtigkeit verspricht. Diese Verlässlichkeit kann einen besonderen Wert haben, gerade wenn der Alltag unübersichtlich ist. Schlager und volkstümliche Musik erzählen von Gefühlen, die sich unmittelbar erschließen: Liebe, Abschied, Freundschaft, Hoffnung und Heimat. Man muss keine komplizierte Geschichte verfolgen, um sich angesprochen zu fühlen. Oft genügt eine Melodie, die Erinnerungen weckt. In dieser Welt war Mross zugleich Künstler und Vermittler. Er präsentierte vertraute Namen und neue Gesichter. Seine eigene Geschichte verlieh dieser Rolle einen nachvollziehbaren Hintergrund: Er wusste aus seiner Laufbahn, wie viel ein früher Fernsehauftritt für einen jungen Musiker bedeuten kann. Für Mross selbst ist die Nähe zum Publikum vor allem mit Respekt verbunden. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht; dass er das dürfe, sei keine Selbstverständlichkeit.
„Ich habe Ehrfurcht vor dem Publikum. Es ist eine absolute Ehre.“ , gesteht er.

Hinter der Leichtigkeit seiner Auftritte steht damit das Bewusstsein, dass die Aufmerksamkeit der Zuschauer ein Geschenk ist. Gerade diese Verbindung erklärt einen Teil seiner Beständigkeit. Mross verkörperte eine Unterhaltung, die auf Wiedererkennung setzt. Sein Publikum konnte mit ihm älter werden, ohne sich jedes Jahr an ein völlig neues Fernsehgesicht gewöhnen zu müssen.

Der Abschied und die Frage nach dem Wert einer Quote

Umso einschneidender war die Entscheidung von SWR und ARD, „Immer wieder sonntags“ nach der Saison 2026 nicht fortzuführen. Der SWR nannte finanzielle und strategische Gründe. Die bisherigen Mittel sollen teilweise eingespart und teilweise für die Entwicklung neuer digitaler Unterhaltungsformate verwendet werden. Zugleich würdigten die Verantwortlichen ausdrücklich Mross und das Team. Im Interview findet Mross deutliche Worte für das Aus der Sendung: „Es ist eine unkluge Entscheidung im deutschen Fernsehen.“ Zugleich betont er aber auch, dass er die Entscheidung gar nicht weiter kritisieren wolle. Mit dem Team und dem Sender sei er durch gute und schlechte Zeiten gegangen und bleibt auf die Frage nach der Zukunft zuversichtlich: „Es wird bestimmt weiter gehen.“

Das Ende der Show erzählt deshalb auch etwas über den Wandel des Fernsehens. Ein etabliertes Format kann weiterhin ein großes Publikum erreichen und dennoch seinen Platz im Programm verlieren. Sender müssen zwischen gewachsenen Sehgewohnheiten, begrenzten Budgets und neuen Formen der Mediennutzung entscheiden. Für treue Zuschauer bleibt dabei eine sehr persönliche Frage: Wo findet ihre Unterhaltung künftig statt? Die letzte Live-Ausgabe machte sichtbar, wie groß die Bindung noch war. 1,59 Millionen Menschen sahen zu; der Marktanteil lag bei 22 Prozent und bedeutete einen Bestwert innerhalb der Saison 2026. Auf der Bühne wurde daraus ein Abschied mit vielen Weggefährten. Andy Borg widmete seinem Kollegen eine umgetextete Fassung von „Sarah“. Stefanie Hertel sang „A Stückerl heile Welt“. Marianne und Michael kehrten für den Anlass aus ihrem Ruhestand zurück. Auch ein Chor mit Kindern der Europa-Park Talent Academy und der Musikschule Lahr gehörte zu den Überraschungen. Mross zeigte sich sichtlich bewegt. Zum Schluss erinnerte er mit „Servus, pfüat Gott und auf Wiedersehn“ an seinen Förderer Karl Moik. Damit führte der Abschied zurück zum Anfang seiner Geschichte: zu dem Mann, der dem jungen Trompeter einst die Tür zur großen Bühne geöffnet hatte.

Hinter der guten Laune steht ein Mensch

Ein Unterhalter wird häufig mit der Stimmung gleichgesetzt, die er verbreitet. Wer Lebensfreude präsentiert, soll möglichst auch dann souverän wirken, wenn die eigene berufliche Zukunft plötzlich offen ist. Der Abschied von einem langjährigen Format zeigt, wie anspruchsvoll diese Erwartung sein kann. Auch sein Privatleben wurde über die Jahre öffentlich begleitet. Mross ist Vater von drei Kindern; die gemeinsame Tochter mit Stefanie Hertel gehört ebenso zu seiner Lebensgeschichte wie weitere Beziehungen und Trennungen. Im Gespräch wird deutlich, wie sehr ihn seine Herkunft geprägt hat. Er sagt: „Meine Eltern waren die wichtigsten Menschen in meinem Leben.“ Und zeigt, dass die Bedeutung seiner Eltern für ihn weit über den frühen Karrierebeginn hinaus reicht.

Gemeinsam durchs Leben und auf die Bühne

Auch privat beginnt Stefan Mross dieses neue Kapitel mit einer vertrauten Begleiterin: Seit März 2023 ist seine Beziehung mit der Schlagersängerin Eva Luginger öffentlich bekannt. Die beiden teilen ihre Leidenschaft zur Musik und verbringen nach eigenen Aussagen am liebsten möglichst viel Zeit miteinander. Ihr Zuhause im Wohnmobil ermöglicht es ihnen, Alltag, Reisen und berufliche Termine miteinander zu verbinden. Das Unterwegssein im Camper bedeutet Mross dabei mehr als eine praktische Verbindung zwischen Auftritten. Es ist ein Stück selbstbestimmtes Leben, das er mit seiner Eva genießt. „Freiheit kann man sich nicht kaufen“, betont er uns gegenüber. Wie viel ihm seine Partnerin bedeutet, formuliert Mross auch in unserem Gespräch unmissverständlich: „Ich habe die Liebe des Lebens gefunden.“ Er glaube an Schicksal, sagt er; die Begegnungen und Wendungen seines Lebens empfinde er als Teil eines Plans.

Nach dem Fernsehabschied stehen weitere gemeinsame Auftritte bevor. Im Dezember 2026 gehören beide zum angekündigten Programm der „Klingenden Bergweihnacht“, und auch bei der Tour „Immer wieder Stefan“ 2027 ist Eva dabei. Geplant sind rund 40 Konzerte in Deutschland und angrenzenden Ländern. Neben Mross gehören Eva Luginger und Nadin Meypo zur angekündigten Besetzung; weitere Gäste wechseln je nach Termin. Dazu zählen unter anderem Francine Jordi, Nicki, Markus Wolfahrt sowie Anita und Alexandra Hofmann. Für Leser in Rheinland-Pfalz stehen bereits Auftritte im offiziellen Tourplan: am 30. April 2027 im Saalbau in Neustadt an der Weinstraße, am 16. Oktober in der Jugendstil-Festhalle Landau und am 26. November in der Stadthalle Bitburg.

Der Titel der Tour trägt eine klare Botschaft: Die regelmäßige Begegnung soll weitergehen. Und im Konzertsaal verändert sich ihr Charakter. Dort sitzen die Menschen nicht vor dem Bildschirm, sondern gemeinsam im selben Raum. Applaus, Mitsingen und spontane Reaktionen werden unmittelbar spürbar. Eine neue Fernsehheimat für „Immer wieder sonntags“ ist dagegen bislang nicht verbindlich bestätigt. Mross hat öffentlich von Gesprächen und seiner Hoffnung auf eine Fortsetzung gesprochen. Ein feststehendes neues Senderformat lässt sich daraus jedoch derzeit nicht ableiten.

Bildung schenken, Zukunft ermöglichen

Neben Bühne und Fernsehen beschäftigt Mross außerdem ein Projekt, das weit über die Unterhaltungswelt hinausreicht. Im Interview erzählt er von einer Schule in Namibia, die 2026 unter seinem Namen eröffnet worden ist. Trotz laufender Tour war er zur Grundsteinlegung vor Ort und bestätigt: „Es war ein spektakulärer Moment.“ Das Projekt hat rund 1.500 Kindern ein neues Zuhause und Zugang zu Bildung ermöglicht. „Dort gab es keine Infrastruktur vorher.“, verrät uns Mross. Die persönliche Teilnahme war ihm trotz seines engen Terminplans wichtig, weil ihm das Projekt so viel bedeutet und er vertraut uns an:. „Ich bin so stolz auf die Stefan-Mross Schule in Namibia.“

Stefan Mross’ Geschichte handelt von mehr als einem frühen Erfolg und einer langlebigen Fernsehsendung. Sie erzählt davon, wie ein Künstler seine Rolle verändert: vom Jugendlichen mit der Trompete zum Sänger, vom Sänger zum Moderator und vom Moderator zum Gastgeber, mit dem viele Menschen ein Stück ihres Wochenendes verbinden. Im November 2026 steht er zwischen Rückblick und Aufbruch. Der Sonntagvormittag, den er so lange geprägt hat, gehört zur Fernsehgeschichte. Die nächste Begegnung mit seinem Publikum ist aber bereits angekündigt. Auf der Bühne beginnt das nächste Kapitel mit einem Namen, der zugleich vertraut und neu klingt: „Immer wieder Stefan“.

„Das Leben geht momentan zu schnell. Man kann es nicht greifen.“ Ein Satz, der nach einem Gespräch über frühe Erfolge, Abschiede, Liebe und neue Aufgaben besonders nachhallt.