„Ich mache die Welt gerne schöner“
Seit über zwei Jahrzehnten prägt Modedesigner Guido Maria Kretschmer die deutsche Modeszene mit Kreativität, Eleganz und einem untrüglichen Gespür für Ästhetik – und ist dabei längst auch als Gesicht der beliebten TV-Sendung „Shopping Queen“ ein bekanntes Fernsehgesicht geworden. Dabei sieht man dem heute 60-Jährigen sein Alter kaum an. Doch Kretschmer ist mehr als ein Designer: Er ist Geschichtenerzähler, Visionär und einfühlsamer Beobachter der Gesellschaft. Er entwirft Kleidung, die Frauen stärkt, ihnen Selbstvertrauen schenkt und sie inspiriert, ihre eigene Persönlichkeit zu feiern.
Ein ungewöhnlicher Anfang: Vom Krankenhaus zur Mode
Geboren am 11. Mai 1965 in Münster, zeigte Guido Maria Kretschmer schon früh eine starke Empathie für Menschen. Ursprünglich machte er eine Ausbildung zum Krankenpfleger und arbeitete schon in jungen Jahren im St. Franziskus-Hospital Münster, mit dem Ziel, später Medizin zu studieren. Frühmorgens mussten ihn seine Eltern ins Krankenhaus fahren doch Kretschmer lebte schon damals seine Neugier und Hilfsbereitschaft voll aus. Seine Mutter träumte, dass er Arzt werde, und Kretschmer nahm diesen Traum mit – auch wenn er ihn später für die Mode wieder aufgab. Die Zeit im Krankenhaus hat ihn geprägt: Umgang mit Menschen, anatomisches Wissen und Empathie begleiten ihn bis heute und fließen in seine Arbeit als Designer ein.
Nachdem er sein Medizinstudium nach zwei Semestern beendete, entschied er sich für eine Ausbildung im Modedesign, unter anderem in Spanien und Frankreich. Seinen kreativen Durchbruch hatte er auf Ibiza, wo er selbstgenähte Kleidung auf dem Hippiemarkt verkaufte und bald erste Aufträge erhielt. Sein erstes größeres Unternehmen war GMK by Pepper, gefolgt vom Label Guido Maria Kretschmer Corporate Fashion, das unter anderem Uniformen für große Firmen entwarf. 2004 gründete er schließlich das Haute-Mode-Label Guido Maria Couture, das ihn als festen Namen in der deutschen Modeszene etablierte. Seine Entwürfe für Tages- und Abendmode, Accessoires und maßgeschneiderte Corporate Fashion machten ihn früh zu einem gefragten Designer. Stars wie Charlize Theron, Iris Berben oder Martina Gedeck trugen seine Kreationen auf internationalen Events.
Heute steht Kretschmers Mode jedoch für weit mehr als rote Teppiche und Glamour-Momente: Sein gleichnamiger Online-Shop bietet Damen -Kollektionen, die vom Business-Look über Alltagsoutfits bis zu eleganten Stücken für besondere Anlässe reichen. Klassisch geschnittene Blazer, feminine Kleider, weich fallende Blusen und moderne Hosen stehen für einen Stil, der tragbar, vielseitig und doch charaktervoll ist. Besonders wichtig ist ihm dabei, dass Mode für viele Menschen zugänglich und inklusiv ist: Schnitte und Passformen reichen auch in Curvy-Größen, Farben und Styles sollen schmeicheln und den individuellen Ausdruck unterstreichen. Bodypositiv gedachte Kollektionen mit großen Größen belegen diesen Anspruch ebenso wie Kooperationen mit großen Modehändlern. In seinen neueren Kollektionen, [CB1] lässt Kretschmer auch kulturelle Einflüsse und Erinnerungen an Reisen einfließen – ein Modeverständnis, das zugleich persönlich und weltbürgerlich ist.
Sein Label ist regelmäßig auf großen Modenschauen vertreten. Nachdem Schauspielerin Katharina Thalbach ihn beauftragte, die Bühnengarderobe für ein Oscar-Wilde-Stück zu entwerfen, war Kretschmer auch als Kostümbildner für Theater- und Filmproduktionen gefragt. So stattete er unter anderem das Ensemble der Deutschen Oper Berlin für Der Barbier von Sevilla aus und war im Filmbereich für Hände weg von Mississippi, Meine schöne Bescherung und Rubbeldiekatz verantwortlich – bei den letzten beiden Filmen übernahm er zudem eine Gastrolle vor der Kamera.
Fernsehen, Bücher und breite Popularität
Seit 2012 begeistert Kretschmer als warmherziger Juror und Moderator von Shopping Queen ein Millionenpublikum. Er spricht stets wertschätzend und ermutigend zu den Kandidaten, was ihm große Sympathien eingebracht hat. Bei seinem Besuch in Koblenz im Rahmen der Preisverleihung des Goldenen Deutschen Eck war dies besonders spürbar: Alle wollten ein Foto oder Autogramm von ihm.
In unserem Gespräch wurde schnell deutlich, wie sehr Guido Maria Kretschmer nicht nur als Designer, sondern auch als Erzähler und Zuhörer begeistert. Wer noch tiefer in seine Gedankenwelt eintauchen möchte, dem können wir nur seinen Podcast „Feinstoff“ ans Herz legen. Hier zeigt sich Guido von einer besonders persönlichen Seite: Es geht um Stil und Mode – aber vor allem um Haltung, Menschlichkeit und die feinen Nuancen des Lebens. Mit viel Wärme, Humor und seinem unverwechselbaren Gespür für Zwischentöne spricht er über Selbstwert, Lebensfreude und die Kraft, sich selbst treu zu bleiben.
„Feinstoff“ ergänzt damit auf wunderbare Weise das, was auch in unserer Titelgeschichte spürbar wird: Guidos tiefe Überzeugung, dass wahre Eleganz von innen kommt. Ein inspirierender Hör-Tipp für alle, die noch ein Stück weiter in seine Welt eintauchen möchten.
Der Mensch hinter dem Stardesigner
Kretschmer ist ein ordentlicher, fast pingeliger Mensch. Eine Eigenschaft, mit der er sich im exklusiven NEXT-Interview sogar ausdrücklich mit Thomas Mann vergleicht. Er liebt klare Strukturen, mag kein Chaos und ist zuhause vor allem für das Schöne und die Dekoration zuständig. Manchmal „dekoriert“ er sogar seinen Ehemann Frank, mit dem er seit über 40 Jahren zusammenlebt. Sein Blick für Ästhetik erstreckt sich auch auf die Nachbarschaft: Er scherzt, dass er am liebsten schon einmal bei der Nachbarin die Gardinen austauschen würde, um alles harmonisch wirken zu lassen.
Trotz seiner Medienpräsenz ist Kretschmer für seine bodenständige, empathische Art bekannt. Seine frühe Pflegeausbildung beeinflusst sein Gespür für Menschen und Körperformen – Anatomie und Proportionen helfen ihm noch heute beim Designen. Schon als Kind entwickelte er ein ausgeprägtes ästhetisches Gespür. Kretschmer sagt: „Ich mache die Welt gerne schöner“, und das zieht sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Leben. So kommt es, dass er grundsätzlich auch „nur schöne Sachen einkaufen gehe.“ Er sei schon immer ein sehr visueller, ästhetischer Mensch gewesen. Was ihn bei Irritationen wiederum auch sehr verletzlich mache, verrät er uns im Gespräch.
Was auch auffällt: Er spricht stets in großen Tönen von seinen Eltern mit denen er „beziehungsähnlich zusammenleben hätte können“. Es habe immer eine große Nähe zwischen ihm und den Eltern gegeben. Seine Mutter litt an Demenz, und er kümmerte sich liebevoll um sie – ein Engagement, das ihm viel abverlangte, aber das er nie als Last empfand. Beide Eltern sind 2023 verstorben, und Kretschmer vermisst sie sehr. „Ich bin halb Mutter, halb Vater – das können auch meine Geschwister bestätigen.“, sagt er, Als Internatskind übernahm er früh Verantwortung innerhalb der Familie und lernte Organisation und Hilfsbereitschaft.
„Mir ist nichts Menschliches fremd.“, unterstreicht er und erzählt, wie er schon als Kind gerne unter Menschen war. Ihm war früh klar, dass er, das was er macht, gut machen, und damit auch sein Geld verdienen muss. Aber eine Sehnsucht reich und berühmt zu sein, hatte er nie. Seine Designs sind recht kommerziell Das liege daran, erklärt er, dass er einen Teil immer für sich mache und die andere Hälfte habe er immer für seine Mutter und ihre Freundin gemacht. Schon beim Designen dachte er: „Was würde Mama und ihre Freundin wollen?“
Mode als Werkzeug für Selbstbewusstsein
Neben der Mode eroberte Kretschmer die Herzen eines Millionenpublikums vor allem durch das Fernsehen. Als Juror und Moderator von Shopping Queen oder Deko Queen motiviert er Menschen, stärkt ihr Selbstbewusstsein und vermittelt wertschätzend Fachwissen. Zuschauerinnen und Zuschauer lieben nicht nur seinen Modegeschmack, sondern auch seine authentische, warme Art. Für ihn ist diese Haltung keine Rolle, sondern gelebte Überzeugung: Er akzeptiert jeden so, wie er ist, und legt Wert darauf, verbindend zu bleiben. „Wir wollen schließlich alle geliebt werden“, betont er. Dabei macht es keinen Unterschied, ob ihm ein Ministerpräsident oder eine Putzkraft begegnet – er grüßt jeden mit derselben Herzlichkeit. Mit sichtbarer Freude erzählt er uns im Gespräch: „Der Ministerpräsident ist sehr nett – herzlichen Glückwunsch an Rheinland-Pfalz. Ein toller Mann, schön groß auch, ein feiner Mensch! Es war ein großes Vergnügen mit ihm zu frühstücken, sehr eloquent, gescheit und warm, ganz am Boden. Das schätze ich.“ Das zeigt, was Guido Maria Kretschmer ausmacht: echtes Interesse am Menschen, jenseits von Titeln und Rollen.
Das betrifft auch die Mode. Für Kretschmer ist die nämlich weit mehr als ein Oberflächlichkeitsphänomen. „Klamotte ist sehr viel mehr, die Verpackung, sozusagen die Haut der Seele“, sagt er. Sie ist Werkzeug, um Geschichten zu erzählen und Persönlichkeiten zu formen. Jede Kollektion ist durchdacht, jede Kreation hat eine Botschaft: Sei mutig, sei sichtbar, sei du selbst. Sein Designverständnis geht über Ästhetik hinaus: Es ist eine Einladung, die eigene Individualität zu leben.
Shopping Queen – Deutschlands beliebteste Styling‑Challenge
Seit 2012 gehört Shopping Queen zu den erfolgreichsten und am längsten laufenden TV‑Formaten im deutschen Fernsehen. Montags bis freitags um 15 Uhr erleben vor allem Zuschauerinnen auf VOX, wie fünf Kandidatinnen in jeweils vier Stunden und mit einem Budget von 500 Euro ein komplettes Outfit zu einem vorgegebenen Motto zusammenstellen müssen. Am Ende der Woche kürt Guido Maria Kretschmer als Modeexperte und Moderator die Shopping Queen der jeweiligen Stadt. Was die Show so besonders macht, ist jedoch nicht nur das Konzept, sondern vor allem Guidos unverwechselbare Moderation: Mit warmherzigen, ehrlichen und oft pointierten Kommentaren nimmt er die Zuschauer mit – erklärt Stilfragen, gibt Tipps und schafft es, Mode für alle greifbar zu machen. Seine humorvollen Bewertungen und seine Art, Menschen zu motivieren, haben Shopping Queen zu einem Publikumsliebling gemacht und Kretschmer selbst zu einem festen TV‑Gesicht.
Shopping Queen in Koblenz
Koblenz ist für ihn eine besondere Stadt – nicht nur, weil seine Tante hier lebt. Die Koblenzer empfand er als sehr freundlich, wie er bei seiner Laudatio auf Fernsehkollegin Bettina Böttinger scherzte: „Ich bekam Sekt eingeschenkt und Küsschen…“
Regelmäßig rollt der kultige pinke Shopping Queen‑Bus durch die Straßen Deutschland, wenn wieder eine Styling‑Woche gedreht wird. Zuletzt war die Sendung vom 17. bis 21. März 2025 zu Gast in Koblenz. Zu dem Motto „Ärmel adé – mache deine neue Weste zum Blickfang!“ shoppten lokale Kandidatinnen und stellten sich Guidos kritischem, aber stets konstruktivem Urteil. Im April 2026 ist eine neue Folge in Koblenz geplant.
Das Erfolgsrezept der Sendung liegt in ihrer Mischung aus Realität, Stilberatung und Unterhaltung. Sie ist keine reine Mode‑Competition, sondern ein Spiegel moderner Alltagsästhetik – mit Menschen verschiedener Altersgruppen, Stiltypen und Hintergründen, die zeigen, dass Mode kein Privileg weniger ist, sondern etwas, das Selbstbewusstsein geben kann. Guido Maria Kretschmer wiederum macht Modewissen zugänglich und zeigt, dass Stil etwas Persönliches ist: kein Dogma, sondern Ausdruck individueller Persönlichkeit.
Guido Maria Kretschmer zeigt sich als zutiefst lebensbejahender Mensch. Dass man ihm dabei fast so etwas wie eine multiple Persönlichkeit zuschreiben möchte, ist keineswegs negativ gemeint – im Gegenteil: Medizinern wie auch Modedesignern sagt man eine solche Doppelbegabung oft nach. Sie erlaubt den Perspektivwechsel, das gleichzeitige Denken in Empathie und Präzision, in Gefühl und Form. Genau das macht Kretschmer aus. Im persönlichen Interview haben wir ihn als ausgesprochen sympathischen, zugewandten und klugen Gesprächspartner erlebt – einen Menschen, der viele Facetten vereint und gerade dadurch so überzeugend wirkt.
Wir haben Guido Maria Kretschmer im Rahmen der Preisverleihung des „Goldenen Deutschen Eck 2026“ am 25. Januar 2026 im Koblenzer Görreshaus live getroffen. Das Exklusive Video-Interview könnt ihr euch hier anschauen.
In den nächsten Ausgaben: Coverstory mit Fernsehmoderatorin Bettina Böttinger und mit Jungschauspieler Julius Weckauf







