Von der Hammond-Orgel im Odenwald über das Fernsehen und Las Vegas bis in die größten Fußballstadien der Welt: Franz Lambert hat eine Karriere hingelegt, die in der deutschen Musiklandschaft außergewöhnlich ist. Millionen Menschen kennen seine Musik – selbst dann, wenn ihnen sein Name im ersten Moment vielleicht nicht einfällt. Denn sobald bei einem FIFA-Spiel die Mannschaften und Schiedsrichter den Rasen betreten und die berühmte FIFA-Hymne erklingt, ist ein Stück Franz Lambert zu hören. Doch den 78-jährigen Musiker allein darauf zu reduzieren, würde einem Lebenswerk von mehr als  fünf Jahrzehnten kaum gerecht. Wir haben ihn zuhause besucht und uns mit ihm unterhalten.

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Das Interview führte NEXT-Moderator Johannes Fischer

Es gibt Melodien, die unmittelbar Erinnerungen auslösen. Ein paar Takte genügen – und plötzlich entstehen Bilder im Kopf. Bei Franz Lambert können das Erinnerungen an große Samstagabendshows sein, an eine Zeit, in der die elektronische Orgel zum Klangbild deutscher Wohnzimmer gehörte. Es können aber ebenso Bilder von Fußball-Weltmeisterschaften in großen Stadien sein. Lambert ist Organist, Komponist, Arrangeur und Entertainer. Vor allem aber ist er einer jener Musiker, denen es gelungen ist, ein Instrument mit der eigenen Persönlichkeit zu verbinden. Sein Name und der Klang der elektronischen Orgel gehören seit Jahrzehnten zusammen. Und während viele Künstler seiner Generation längst ihre Karriere beendet haben, steht Franz Lambert mit 78 Jahren weiterhin auf der Bühne.

Ein Klavier macht den Anfang

Geboren wurde Franz Lambert am 11. März 1948 in Heppenheim an der Bergstraße. Seine erste Begegnung mit einem Tasteninstrument hatte er bereits als Kind. Sein Vater spielte Klavier, und auch der Sohn entdeckte früh seine Begeisterung für die Tasten. Im Gespräch mit unserem Magazin erzählte Lambert bereits 2018, dass er etwa acht Jahre alt war, als das Klavier seine Aufmerksamkeit weckte. Vier Jahre lang erhielt er Klavierunterricht am Konservatorium. Sein Vater unterstützte ihn früh dabei, diesen Weg zu gehen. Doch die entscheidende musikalische Begegnung sollte erst einige Jahre später folgen. Als Jugendlicher hörte er in einem Musikgeschäft in Bensheim zum ersten Mal bewusst den Klang einer Hammond-Orgel. Dieser Sound faszinierte ihn derart, dass er seinen Vater schließlich dazu brachte, eine solche Orgel anzuschaffen. Aus der jugendlichen Begeisterung entwickelte sich eine Leidenschaft, die sein gesamtes weiteres Leben bestimmen sollte.

Dabei sah zunächst nichts nach einer internationalen Musikerkarriere aus. Lambert absolvierte eine Hotelfachausbildung. Ein Zufall brachte ihn schließlich erstmals professionell an die Orgel: In einem Hotel fiel an Silvester ein Musiker aus. Lambert sprang ein. Unter den Gästen befand sich der Geschäftsführer von Wella, der von seinem Spiel so begeistert gewesen sein soll, dass daraus Engagements zur musikalischen Begleitung von Mode- und Frisurenschauen in der Schweiz entstanden. Lambert sammelte Bühnenerfahrung – und lernte etwas, das für seine spätere Karriere entscheidend wurde: ein Publikum zu lesen.

Der entscheidende Durchbruch kam dann 1969. Lambert spielte damals auch in der Gaststätte seiner Eltern in Heppenheim-Sonderbach. Bei einer Veranstaltung wurde der bekannte Fernsehunterhalter Heinz Schenk auf den jungen Organisten aufmerksam. Schenk engagierte ihn für die 100. Ausgabe seiner populären Fernsehsendung „Zum Blauen Bock“. Was heute kaum noch vorstellbar erscheint: Ein einziger Fernsehauftritt konnte damals eine Karriere verändern. Millionen Menschen saßen vor denselben wenigen Fernsehprogrammen. Und Lambert nutzte seine Chance: Auf den Fernsehauftritt folgte sein erster Plattenvertrag. Aus dem jungen Mann aus Heppenheim wurde innerhalb weniger Jahre einer der bekanntesten Organisten Deutschlands.

Mehr als 100 Tonträger – und ein unverwechselbarer Klang

Die Zahlen seiner Karriere sind beeindruckend. Auf seiner offiziellen Internetseite werden inzwischen 108 Tonträger aufgeführt. Mehr als 1.000 verschiedene Titel hat Lambert seit 1969 aufgenommen. Drei seiner Produktionen wurden mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Dabei besteht sein Repertoire keineswegs nur aus Eigenkompositionen. Pop, Schlager, Swing, Filmmusik, Klassik, internationale Evergreens und romantische Melodien verschmelzen in seinen Programmen miteinander. Diese stilistische Offenheit wurde zu seinem Markenzeichen. Lambert wollte nie ausschließlich Musik für Orgelkenner machen, sondern Menschen unterhalten. Er machte die elektronische Orgel zum Orchester für einen einzelnen Musiker. Trotz aller technischen Entwicklungen blieb sein Stil unverkennbar.

Wer Franz Lambert auf der Bühne sieht, sieht deshalb nicht einfach einen Musiker hinter einem Keyboard. Die Orgel gehört zu seiner Inszenierung. Insbesondere seine großen WERSI-Instrumente wurden selbst zu einem Teil seiner öffentlichen Erscheinung. Über Jahrzehnte spielte Lambert verschiedene Generationen elektronischer Orgeln. Seit 2023 gehört auch eine WERSI OAX1000 zu seinen Instrumenten. Seine aktuelle „Golden Lady“ verbindet technische Entwicklung und Tradition. Bei seinen Konzerten reicht das Programm von klassischen und semiklassischen Werken über Filmmusik und Swing bis zu Popballaden und Eigenkompositionen. Dass Lambert vor allem als Organist wahrgenommen wird, lässt manchmal einen wesentlichen Teil seines Schaffens in den Hintergrund treten: Franz Lambert ist auch Komponist.

Zu seinen bekannten Eigenkompositionen gehören unter anderem, „La Musica“, „Lady In Blue“, „First Love“, „Why“, „Victory“ und „Viva La Vida, Viva Amor“. Seine Musik ist häufig melodisch und unmittelbar zugänglich. Lambert gehört nicht zu den Komponisten, die den Hörer intellektuell auf Distanz halten wollen. Seine Stücke wollen Emotionen erzeugen. Vielleicht liegt gerade darin ein Teil des Geheimnisses seiner außergewöhnlichen Popularität. Doch eine seiner Kompositionen überragt in ihrer weltweiten Verbreitung alles andere.

Diese Melodie kennt die Fußballwelt

Man muss kein Fan elektronischer Orgelmusik sein, um Franz Lambert gehört zu haben: Jeder Fußballfan kennt seine offizielle FIFA-Hymne. Seit der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 gehört die Komposition zur Klangwelt des internationalen Fußballs. Sie erklingt bei FIFA-Veranstaltungen beim Einlaufen der Mannschaften und Schiedsrichter. Ihre Weltpremiere erlebte sie bei der WM 1994 in Chicago. Damit gelang Lambert etwas Außergewöhnliches: eine Melodie zu schaffen, die unabhängig von Sprache funktioniert. Ob Brasilien, Deutschland, Japan, Mexiko oder Frankreich – der Klang gehörte für Millionen Fußballfans zum Ritual unmittelbar vor einem großen Spiel.

Ein besonderer Moment: das WM-Finale 2006

Einen Höhepunkt dieser Verbindung zwischen Lambert und dem Fußball gab es ausgerechnet in Deutschland. Beim WM-Finale 2006 in Berlin spielte er auf Wunsch des damaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter seine FIFA-Hymne live. Außerdem präsentierte er die Nationalhymnen der beiden Finalisten: Italien und Frankreich. Man muss sich die Dimension dieses Moments vorstellen: Ein Musiker aus Heppenheim sitzt im Berliner Olympiastadion vor mehr als 80.000 Menschen und 2 Milliarden TV-Zuschauer – und seine Musik wird Teil eines der weltweit größten Sportereignisse. 

Umso bemerkenswerter ist dieser Auftritt, wenn man Franz Lambert persönlich erlebt. Denn abseits der Bühne ist er ein äußerst bescheidener und zurückhaltender Mensch. „Ich habe viel Respekt vor meinen Mitmenschen“, sagt er. Doch wie gelingt es einem Menschen mit einer solchen Zurückhaltung, vor einem voll besetzten Stadion zu spielen? Vielleicht liegt die Antwort in der Musik selbst: Sobald Lambert an seinem Instrument sitzt, konzentriert er sich ganz auf die Melodien und auf das Publikum. „Ich wundere mich selbst über meinen Mut“, gesteht er.

Mit seiner FIFA-Hymne schuf Lambert eine musikalische Signatur für den Weltfußball. Auch der Deutsche Fußball-Bund setzte auf seine Musik. Die von Lambert gemeinsam mit Christian Wildermuth geschaffene DFB-Hymne wurde erstmals anlässlich des 100-jährigen Bestehens des DFB, im Gewandhaus zu Leipzig präsentiert und war von 2000 bis 2013 im Einsatz.

Von Heppenheim nach Las Vegas

Lamberts Karriere führte ihn weit über Deutschland hinaus. Er spielte in Europa, Nord- und Südamerika, in Japan, Indonesien sowie in China und gastierte sogar im legendären Caesars Palace in Las Vegas. Fernsehen spielte dabei über Jahrzehnte eine zentrale Rolle. Lambert war unter anderem in Sendungen wie „Starparade“, „Der Große Preis“, „ZDF-Sportstudio“, „Dreimal Neun“, „Musik ist Trumpf“ und dem „Fernsehgarten“ zu erleben. Auch in Unterhaltungsproduktionen wie dem „Traumschiff“ trat er auf. Seine offizielle Biografie nennt mehr als 500 Auftritte vor Fernsehkameras. So wurde aus dem Organisten ein international gefragter Entertainer.

Könige, Kanzler und Weltstars

Zu einem mehr als fünf Jahrzehnte dauernden Künstlerleben gehören auch zahlreiche besondere Begegnungen. Lambert spielte für das britische Königshaus und traf im Laufe seiner Karriere Persönlichkeiten aus Politik, Sport, Unterhaltung und Kultur. So unter anderem Fürst Albert von Monaco, Plácido Domingo, Montserrat Caballé, den Dalai Lama, Michail Gorbatschow, Helmut Schmidt und Helmut Kohl. Helmut Schmidt war großer Fan seiner Musik und Helmut Kohl „war ein heimlicher Manager von mir“, berichtet er im Video-Interview mit einem Schmunzeln. Mehrfach spielte er bei Kanzlerfesten in Bonn. Schmidt, selbst ein passionierter Pianist, habe sich dabei unter anderem „Ave Maria“ und Beethovens „Ode an die Freude“ gewünscht. Für Lambert waren solche Begegnungen offenbar nie bloß eine Sammlung prominenter Namen. „Ich war stark beeindruckt“, gesteht er.

Drei Goldene Schallplatten – und Fans über Generationen

Erfolg lässt sich bei Lambert auch in Verkaufszahlen messen. Seine offizielle Diskografie nennt drei Goldene Schallplatten. Besonders erfolgreich war „Pop Orgel Hitparade – 40 Super Hits“ von dem rund 420.000 Exemplare verkauft worden sind und somit die meist verkaufteste Orgel LP, weltweit. Doch mindestens ebenso bemerkenswert ist die Treue seines Publikums. 2026 findet bereits das 48. Internationale Franz-Lambert-Fanclubtreffen statt. Am 24. Oktober kommen die Fans im traditionsreichen Hotel „Halber Mond“ in Heppenheim zusammen – eine außergewöhnliche Konstante in der schnelllebigen Unterhaltungsbranche. Lambert selbst erklärte sich diese Verbindung im NEXT-Interview mit seiner Nähe zum Publikum. Wenn er spüre, dass Menschen seine Musik mögen, öffne er sich ihnen. Das Feedback beim Spielen sei für ihn „Balsam für seine Seele“.

Heimat bleibt Heimat

Bei all den Reisen, Fernsehstudios, Stadien und Begegnungen mit Weltstars ist Franz Lambert seiner Heimat bemerkenswert verbunden geblieben. Heppenheim bildet bis heute den Mittelpunkt seines Lebens. Im Hessischen Hof, einem für ihn ganz besonderen Ort in seiner Heimat, lernte er einst auch seine spätere Ehefrau Christa, ehemalige Weinkönig der Bergstraße, kennen. Inzwischen sind die beiden seit 53 Jahren zusammen und haben bereits ihre Goldene Hochzeit gefeiert. „Sie ist die Königin meines Herzens“, sagt Franz Lambert liebevoll über seine Frau.

2006 wurde er zum „Botschafter der Bergstraße“ ernannt. Das passt zu einer internationalen Karriere, die ihre Herkunft nie abgelegt hat. Sein Weg führte ihn zwar bis nach Las Vegas und in die großen Fußballstadien der Welt, aber immer wieder zurück nach Heppenheim. Vielleicht liegt auch darin ein Teil seiner Glaubwürdigkeit: Franz Lambert musste sich für seinen Erfolg nie eine neue Künstlerpersönlichkeit erfinden.

Ein Musiker, der nicht in eine Schublade passt

Aus heutiger Perspektive ist Lamberts Karriere auch deshalb interessant, weil sie sich den üblichen Kategorien entzieht. Auf seiner aktuellen CD „La Musica“ finden sich 19 Titel; auch bei seinen heutigen Konzerten verbindet er unterschiedliche musikalische Welten. Eine besondere Leidenschaft hegt er für gregorianische Gesänge. „Diese Musik berührt meine Seele“, sagt Lambert. Vielleicht erklärt gerade diese emotionale Beziehung zur Musik, weshalb seine Programme weit über ein bestimmtes Genre hinausreichen. Statt musikalischen Trends hinterherzulaufen, entwickelte er einen unverwechselbaren Sound. Von Ruhestand kann dennoch kaum die Rede sein. „Es fällt schwer aufzuhören“, gesteht er in unserem Interview. Für 2026 und 2027 stehen bereits mehrere Termine in seinem Kalender. Darüber hinaus geht er gemeinsam mit Heino auf Kirchenkonzerttournee und begleitet den Sänger an der elektronischen Orgel. Mehr als 200 Konzerte haben die beiden Musiker bereits zusammen gespielt. Dabei harmonieren sie nicht nur musikalisch ausgezeichnet, sondern verstehen sich auch persönlich sehr gut, verrät uns Lambert im Interview.

Der „Goldfinger“ und sein Lebenswerk

In unserem Interview hat NEXT-Moderator Johannes Fischer Franz Lambert einmal augenzwinkernd als „Goldfinger“ bezeichnet. Der Spitzname passt erstaunlich gut: Zu den goldenen Schallplatten kam schließlich die goldene Orgel. Doch das eigentliche Gold dieser Karriere lässt sich nicht an einer Wand aufhängen. Es sind die Erinnerungen an Heinz Schenk und den „Blauen Bock“, ausverkaufte Konzerte, Fernsehshows, Las Vegas, prominente Begegnungen und das WM-Finale in Berlin. Vor allem aber gibt es diese eine Melodie. Wenn irgendwo auf der Welt bei einem großen FIFA-Spiel die Mannschaften das Spielfeld betraten und die feierlichen Klänge der FIFA-Hymne erklangen, lebte darin ein Stück deutscher Musikgeschichte weiter. Geschrieben von einem Mann aus Heppenheim. Franz Lambert. Ein Musiker, der von der Bergstraße in die Welt zog – und dessen Melodien die Welt über Jahrzehnte bis heute begleiteten.