Im Dezember haben wir das Gespräch mit einem beeindruckenden Schriftsteller geführt. Das darf man ruhig so sagen: Thomas A. Herrig hat für seine 34 Jahre schon einiges literarisch geschafft. Der in Daun geborene Autor, Kulturjournalist und Digital Creative ist gut rumgekommen. Er lebte bereits in Gotha, Berlin, Hamburg, Wien und Frankfurt, Tübingen und Höhr-Grenzhausen. Sein Berufswunsch war schon seit Kindsbeinen Schriftsteller und er hat diesen in imponierender Weise realisiert. Aber hört selbst. Einige Auszüge dieses sehr kurzweiligen Gesprächs lest ihr hier und hört es in seiner vollständigen Länge unter folgendem Link: Link/QR Code zum Podcast
Ich würde ganz gern mit deinen vielen Wohnorten anfangen. Dabei zuerst auf Gotha, eine schöne Stadt in Thüringen, eingehen, denn du warst Stadtschreiber von Gotha. Was macht ein Stadtschreiber und wie wird man das?
Das habe ich mich tatsächlich auch erst gefragt.
Wie wird man darauf aufmerksam? Vielleicht würde ich da gerne ansetzen…
Ich war in Berlin und ich habe für tolle Auftraggeber gearbeitet, aber ich habe gespürt, dass mir so ein bisschen das Kreative in meinem Leben, das literarische Schreiben, umso stärker fehlt. Und dann habe ich eine Ausschreibung gesehen. Es gibt ja diese Newsletter für Autorinnen und Autoren, wo man dann sieht, welche Preise gerade verliehen werden und welche Stadtschreiber-Programme es gibt. In Deutschland gibt es ja sehr viele. Und ich habe diese Ausschreibung von Gotha gesehen, wo man jemanden suchte, der ein Jahr in der Stadt leben und der schreiben will und der auch Kolumnist sein will für die Zeitung. Und dann habe ich irgendwie gedacht: Na ja, also eine Bewerbung hinschicken kann man ja mal. Weil das klang für mich auch wie der literarische Gegenentwurf zum Berlinleben. Also mal ein bisschen rauskommen und mal frei sein. Man bekommt dann auch eine Wohnung gestellt. Also, vom Programm her ist es eigentlich ganz gut gedacht.
Genau, was macht ein Stadtschreiber?
Ich habe das mal scherzhaft formuliert und gesagt: Man ist der indirekte Kulturbeauftragte oder der stellvertretende Bürgermeister ohne Machtbefugnisse. Das heißt, man wird überall hin eingeladen, man darf zu allen Veranstaltungen gehen und man wird auch dann angesprochen: Ah, der Stadtschreiber ist da. Und da man dann auch eine Kolumne hat, also in Gotha ist das so, berichtet man dann auch über diese Events. Das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, auch zum Beispiel in einer etwas kleineren Stadt dann Kultur sichtbar zu machen Da gibt es tolle Konzerte, da gibt es Theater, da gibt es Veranstaltungen und ich habe meine Rolle dann immer so begriffen, dass ich das dann in Worte letztlich verwandle und sichtbar mache. Und was in Gotha auch sehr toll ist, ist am Ende dieser Stadtschreiberzeit erscheint das alles, was man geschrieben hat, als ein kleines Buch. (…)
Lass´ uns mal über deine Bücher reden. Wir fangen tatsächlich mal mit den neuesten an. „Das Winken der vergnügten Katze“ und „Die Umschreibung des Lebens.“ Ich glaube, das sind zwei ganz unterschiedliche Bücher, auch wieder typisch für dich. Erzähl´ doch mal bitte: „Was hat es mit „Das Winken der vergnügten Katze“ auf sich?
Ich wollte gerade sagen, du hast ja die Herausforderung in den Raum gestellt, das stimmt, die liebe ich. Und bei diesem speziellen Buch war das auch die Herausforderung, weil ich gelernt, dass es gerade so auch im asiatischen Raum, Korea, Japan, einen neuen Trend in der Literatur gibt, sogenannte Healing Fiction, also literarische Erzählungen, die versuchen mehr zu sein als bloße Unterhaltung, die den Leuten auch irgendwo eine positive Perspektive mitgeben wollen oder noch mal einen neuen Impuls, einen Denkanstoß. Und das fand ich so spannend. Ich wollte auch mal eine Japanreise machen, das hat aus anderen Gründen nicht geklappt. Und als ich das dann irgendwie hörte, da gibt es jetzt einen neuen Literaturtrend, wie gesagt, primär auch in der japanischen Literatur habe ich für mich irgendwie gedacht, das würde ich auch mal gerne ausprobieren. Weil ich bin auch so ein Mensch, ich liebe es, wenn Schreiben noch einen persönlichen Mehrwert hat, wie bei Paulo Coelho, zum Beispiel bei „Der Alchemist“. Also, wenn ein Buch nicht nur eine spannende Erzählung ist, sondern wenn das Buch – vielleicht könnte man ein wenig pathetisch sagen – auch mich irgendwie liest und beeinflusst. (…) Also ich habe zum Beispiel den Job in Hamburg gekündigt, nachdem ich dieses Buch „Der Alchemist“ gelesen hatte. Weil da wird ja eine ganz tolle Reise beschrieben, auch eines jungen Protagonisten, der irgendwie versucht, sein Glück zu finden. Und das Buch macht Mut zu sagen, dass das Leben auch in Stationen gedacht werden kann und dass man manchmal vielleicht auch erkennen muss, wenn so eine Station rum ist und dass man sich vielleicht dann nicht in sein Schicksal fügt und sagt: Jetzt muss ich das nur noch 30 Jahre bis zur Rente machen“, sondern sagt: „Nein, das war jetzt eine gute Zeit, da habe ich was Tolles gelernt, aber ich muss weiterziehen auf meiner Lebensreise, um mich weiter zu entwickeln sozusagen“. Und weil mir solche Bücher viel bedeuten, dachte ich dann, na ja, also wenn das jetzt gerade auch aktuell ist, wenn das ein Trend ist, dann probiere ich das jetzt auch mal aus. Dann schreibe ich jetzt solche heilsamen Geschichten mit Dingen, die ich auch irgendwo gelernt habe, die mich auch vorangebracht haben und versuche das mal so zu erzählen in dieser Art. Und das ist eben in diesem Buch – was lustigerweise gerade zuerst veröffentlicht wird, obwohl es nach dem anderen Buch entstanden ist, was im nächsten Jahr kommt – verwirklicht und ich freue mich riesig, dass der Verlag da auch direkt gesagt hat: Ja, tolle Idee, das machen wir, da ziehen wir mit, weil das ist ja auch nicht immer so einfach für Autorinnen und Autoren. (…)







