„Vor dem Beruf kommt die Familie“

Wir haben den rheinland-pfälzischen Minister des Innern und für Sport Roger Lewentz getroffen und uns unter anderem mit ihm über seinen Einstieg und seine Meinung über die Politik unterhalten.

Irgendwo beginnt doch die bewusste Entscheidung, sich der Politik gänzlich zuzuwenden. Wann war dieser Punkt bei Ihnen im Leben?

Also bei mir ist das tatsächlich in meiner Heimatgemeinde als ganz junger Kerl in Kamp-Bornhofen gelaufen, dass dieser Prozess begonnen hat Verantwortung übernehmen zu wollen. Wir hatten da so Jugendräume im Pfarrheim, die wir selbst verwalten durften. Und dann ist so die Zeit gekommen, in der man sich für die großen politischen Dinge interessiert hat,. Die im wahrsten Sinne großen Dinge wie Saurer Regen waren Themen damals, Waldsterben, wie geht es der Umwelt in der eigenen Heimat. Es gab da Schreckensbilder: Das Rheintal rechts und links nur noch mit abgestorbenen Bäumen. Da macht man sich natürlich Gedanken über seine eigene Umwelt. Atomkraft in Mülheim-Kärlich war ja bei uns vor der Haustür. Und ein Thema, was uns sehr umgetrieben hat, war so ein Gerechtigkeitsthema: Apartheidsystem in Südafrika, Nelson Mandela – und dann ist man politisch geworden. Da hat man mit anderen über Politik gesprochen und gesagt, eigentlich müssten wir uns auch engagieren. Engagiert haben wir uns dann in Kamp-Bornhofen, haben dann so eine Jugendorganisation einer Partei, meiner Partei, gegründet – wir waren 30 Jungs und Mädels – und haben sehr viel im Dorf gemacht. Dann sind wir bei der nächsten Gemeinderatswahl mit einem Teil unserer jungen Leute in den Gemeinderat gewählt worden, ich wurde Ortsbürgermeister. Und so ging´s dann los…

Sie sind seit 2012 Landesvorsitzender der SPD und darüber hinaus natürlich Minister des Innern und für Sport – und haben noch diverse Aufgaben mehr. Bleibt für andere Lebenspassionen fern der Politik überhaupt noch Spielraum?

Ja, aber das ist, glaube ich, das Allerwichtigste vor der Politik. Vor dem Beruf kommt die Familie. Und ich bin seit 1991 in Mainz und fahre eigentlich jeden Abend nach Hause. Weil ich einfach Zuhause sein möchte. Hobbys in dem Sinne, die zeitintensiv sind, die gehen bei mir nicht. Das wäre ein bisschen schwierig, aber ich arbeite gern bei mir im Garten, ich lese gerne und mache eben gern etwas mit der Familie.

Man wirft Politikern in der heutigen Zeit gerne vor, dass sie den goldenen Käfig hätten, die Distanz. Ist es nicht elementar wichtig, dass man, wenn man Politik für die Bürger machen möchte, den Bürgern auf der Straße auch sehr nah sein muss?

Also ich glaube, das ist wirklich das A und O. Wenn man nicht weiß, was draußen los ist, wenn man nicht Kontakt zu Bürgern behält, dann kriegt man auch die Wahrheit nicht ungefiltert gesagt. Ein schönes Beispiel: ich gehe ganz gerne Lebensmittel einkaufen für die Familie in einem großen Warenhaus in Lahnstein, ein Haus der Begegnung, das ist wirklich so. Man wird angesprochen. Die Leute sagen: Lewentz, achten Sie mal darauf, da passiert etwas, was für uns nicht gut ist, oder ich hab die und die Idee für Sie. Davon lebt man. Und in so einem Dorf wie Kamp-Bornhofen, ich war dort Ortsbürgermeister, bin dort großgeworden, und nutze die Gelegenheit, wann immer es geht auch zu den älteren Herren zum Bier zu gehen, da hörst du ungefiltert die Dinge. Manchmal hat man den Eindruck, Menschen, die nur in Berlin im Reichstag unterwegs sind, die verlieren diesen Anschluss. Und das ist schlecht.













Vielen Dank Roger Lewentz, dass Sie sich Zeit für das sehr aufschlussreiche Interview genommen haben.

Vielen Dank, Johannes Fischer, der das Interview in unserem Namen führte.