„Das Problem ist das betrügerische Kartell von Betrügern in Nadelstreifen.“

Wir hatten die Gelegenheit Frau Julia Klöckner in ihrer Heimatstadt Bad Kreuznach live vor Ort im persönlichen und exklusiven Interview einige Fragen zu aktuellen wirtschaftlichen und politischen Fragen zu stellen.

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Julia Klöckner, was die Next- Leser interessiert: steht der Diesel vor dem Aus?

Ich glaube nicht, dass er unmittelbar vor dem Aus steht. Technologien entwickeln sich und wir müssen für Technologien immer offen bleiben, um das Beste für die Zukunft zu finden. Ich halte nichts davon, den Diesel per se zu verteufeln. Sondern wir müssen schauen dass wir Richtwerte einhalten und das Problem ist nicht der Diesel. Das Problem ist das betrügerische Kartell von Betrügern in Nadelstreifen. Muss man ganz ehrlich so offen sagen. Es darf nicht sein, dass am Ende der kleine Autofahrer der sich das Geld ja zusammengespart hat für sein Auto und ´nen Diesen gekauft hat am Ende Zeche zahlen muss. Sondern es muss darum gehen, dass kostenneutral also so dass der Verbraucher es nicht zahlen muss, die entsprechend die Autos nachgerüstet werden oder es ein Softwareupdate gibt und dass die Grenzwerte eingehalten werden. Aber ich halte wenig davon, dass wir jetzt den Standort Deutschland als Autobauerstandort und Zulieferindustrie kaputt zu reden. Wir müssen schauen wie Gesetze eingehalten werden, aber wir offen bleiben für das was kommt.

Wie sehen Sie Rheinland-Pfalz beim Ausbau der Infrastruktur  für Elektromotoren?

Da sieht´s in Rheinland-Pfalz noch sehr düster aus. Die ganzen Debatten über Elektromobilität und Elektroautos. Das sind mitunter Luxusdebatten von Städtern. In Städten haben wir in der Tat Ladestationen, aber wir müssen von dem Nutzer her denken. Ganz viele in Rheinland-Pfalz sind Pendler. Wir sind ein Pendlerland. Und erstens brauchen wir in der Fläche viel mehr Ladestationen bis es überhaupt attraktiv werden würde. Aber wir müssen schnellere Ladevorgänge, also eigentlich Tankvorgänge, haben. Wer kann sich denn ein Tesla leisten? Wenn Sie da nur 20 Minuten brauchen zum Laden aber haben 2 noch vor sich. Das ist nicht verbrauchergerecht. Es ist was für die Stadt. Aber nicht für so ein Flächenpendlerland. Da braucht man eine andere Infrastruktur. Deshalb halte ich nichts von Quoten für E-Autos wie das der SPD-Kandidat gerade fordert.  Erfahrungsberichte zeigen dort wo in einem kleinen Dorf mehrere Teslas gleichzeitig geladen werden, haben Sie ein Problem mit der Stromversorgung in dem ganzen Dorf. Also da ist es noch nicht ausgereift, daher sage ich wir brauchen einen Technologie-Mix und eine Offenheit in der Technologie.



Anderes Thema: Seit dem 1. 8.2017 trat ein neues Gesetz in Kraft, dass in Bayern künftig den Gesichtsschleier für Beamte und Angestellte im Öffentlichen Dienst, an Hochschulen, Kitas, Schulen und in Wahllokalen verbietet. Ein Vorbild für Rheinland-Pfalz?

Das ist absolut richtig was Bayern gemacht hat und eine Selbstverständlichkeit. Wie Sie wissen fordere ich das schon sehr sehr lange. Denn Toleranz gegenüber einem intoleranten Menschen und Frauenbild zu sein, untergräbt unsere offene Gesellschaft unsere Demokratie. Das ist so ähnlich wie mit dem Fall in Montabaur Polizist muslimischen Glaubens der befördert worden ist, und der es ablehnte von einer Kollegin weil sie Frau ist, die Hand geschüttelt zu bekommen. Und das können wir nicht dulden. Männer und Frauen sind gleichberechtigt und warum sollen Frauen nur aufgrund des Geschlechts Frau sich verhüllen müssen, wenn ein Mann die Körperform oder den Anblick einer Frau nicht ertragen kann, dann kann er sich eine Augenbinde nehmen, aber die Frauen müssen sich nicht verhüllen. Und das gilt natürlich grade an Orten wo der Staat ja auch mit Beamten zutage tritt und wo sie eine Vorbildfunktion haben und deshalb geht das natürlich nicht in Schulen oder anderen Plätzen. Man kann auch nicht mit einer Vollverschleierung eine Bank betreten, sollte sie nicht betreten können oder ein Amt. Und ich gehe sogar noch weiter. Ich bin für das Verbot  der Vollverschleierung in Deutschland, weil eine offene Gesellschaft braucht ein offenes Visier und Integration funktioniert nur mit Kommunikation. Ich glaube da sollten wir viel klarer werden in Rheinland-Pfalz. Leider hat ein solcher Entwurf als CDU Rheinland-Pfalz bisher Rot-Grün immer abgelehnt. Und die FDP übrigens auch.

Vielen Dank, Julia Klöckner, vielen Dank Dirk Crecelius, der das Interview für uns führte.