„…die Leute haben es teilweise für einen April-Scherz gehalten.“

Wir haben den Oberbürgermeister von Andernach im Rahmen der ersten Infoveranstaltung zu dem diesjährigen Rheinland-Pfalz-Tag in seiner Stadt Andernach getroffen und uns mit ihm u.a. über seine 27-jährige Amtszeit als Oberbürgermeister, seine wichtigsten Entscheidungen, die er in diesem Amt getroffen hat und den im Sommer in Andernach stattfindenden Rheinland-Pfalz-Tag gesprochen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die politische Laufbahn reicht schon einige Jahre zurück. Angefangen als Bürgermeister sind Sie nun schon seit 27 Jahren im Oberbürgermeisteramt…?

Ja, genau. Ich bin damit der Dienstälteste in Rheinland-Pfalz und selbst an Lebensjahren gehöre ich jetzt fast zu den Ältesten in Rheinland-Pfalz.

Wie konnten Sie es schaffen einer gewissen Amtsmüdigkeit vorzubeugen?

Man muss jeden Tag mit guter Laune ins Rathaus gehen. Und man muss sich jeden Tag den Herausforderungen stellen und mit offenem Visier kämpfen. Man braucht ein solides Fundament – bei mir ist das der Glaube. Sicher aber auch eine ethische Grundbildung, dass man beispielsweise – um nur einen großen Aspekt in meinem Leben zu nennen – Respekt vor jedermann hat, das mich immer getrieben, und treibt mich noch heute an. Das kann man auch im Amt eines Oberbürgermeisters sehr gut realisieren und damit auch als Vorbild dienen.

In 27 Jahren passiert natürlich eine ganze Menge. Aber an welche Entscheidung, die Sie in Ihrem Amt getroffen haben, denken Sie besonders gerne zurück?

Es gibt einige. Aber sicher denke ich immer gerne an die Entscheidung damals zusammen mit dem Rat Andernach – ich entscheide das ja nicht alleine – den Geysir wieder zu beleben. Die Anfänge gehen ja zurück bis in die neunziger Jahre, dann die Probebohrung Anfang des Jahrtausends bis hin zur Eröffnung des Geysir-Erlebniszentrums 2009. Das waren schon Entscheidungen, die auch mit Risiken verbunden waren. Eine andere Entscheidung, die mir etwas leichter gefallen ist, war beispielsweise die „Essbare Stadt“ in Andernach zu etablieren. Aber zunächst mit sehr viel Widerstand begleitet. Negative Leserbriefe, die Leute haben es teilweise für einen April-Scherz gehalten, aber wir haben uns damit durchgesetzt und sind heute in einem weltweiten Netzwerk „EdiCitNet“ – und erfahren weltweit auch Anerkennung für dieses Projekt. Und die Entscheidung beispielsweise Weissheimer aufzukaufen, damals die Malzfabrik, die hier mit hohen Türmen das Bild der Innenstadt, aber auch die Silhouette verschandelte und Investoren zu finden wurden wieder aufbauen zu lassen, das waren Riesen-Entscheidungen.

Aber ich treffe solche Entscheidungen ja nicht alleine, ich bereite sie vor, versuche für solche die Stadtentwicklung prägenden Dinge briete Mehrheiten zu sammeln. Und ich werde dabei vom Rat der Stadt Andernach und auch von der Bevölkerung unterstützt dabei. Das stärkt einem dann auch den Rücken. Und dass es immer auch Widersacher gibt, ist auch vollkommen klar.

Die Stadtentwicklung der Stadt ist groß. Was ist Ihrer Meinung nach für die Zukunft noch wichtig?

Das ist natürlich weiter die wohnbauliche Entwicklung, die Entwicklung an Gewerbegebieten weiterzuarbeiten, damit die Menschen, die hier leben, auch hier arbeiten können. Und es wird wichtig sein, sich in Zukunft regional noch mehr zu vernetzen als wir es heute im Landkreis Mayen Koblenz schon tun. Regiopole ist ein Stichwort, in dem man mit den Stärken einer Region auch um Arbeitskräfte und Menschen wirbt, die hier gerne leben und arbeiten wollen.

Vielen Dank, Achim Hütten, vielen Dank Johannes Fischer, der das Interview in unserem Auftrag führte.