Am 5. Dezember 2025 hat der Deutsche Bundestag ein neues Wehrdienstgesetz verabschiedet, das einen weitreichenden Wandel in der Bundeswehr-Personalpolitik markiert. Die Reform soll die Streitkräfte personell stärken und reagiert auf wachsende sicherheitspolitische Herausforderungen in Europa – zugleich sorgt sie für kontroverse Debatten und Proteste junger Menschen im ganzen Land. Wir haben einmal zusammengefasst, was das neue Gesetz für uns bedeutet.
Was genau ändert sich?
Seit dem Ende der allgemeinen Wehrpflicht im Jahr 2011 war der Dienst an der Waffe in Deutschland freiwillig. Mit dem neuen Gesetz kehrt nun ein pflichtiger Schritt zurück in die militärische Erfassung junger Erwachsener – ohne allerdings zunächst eine vollständige Dienstpflicht einzuführen:
- Ab dem 1. Januar 2026 soll das Gesetz in Kraft treten. Dann erhalten alle jungen Deutschen, die 18 Jahre alt werden – vor allem Geburtsjahrgang 2008 und später – einen Fragebogen, in dem sie Angaben zu ihrer Motivation und Eignung für den Dienst machen müssen. Für Männer ist das Ausfüllen verpflichtend, für Frauen freiwillig.
- Gleichzeitig wird eine verpflichtende medizinische Untersuchung („Musterung“) vorgesehen, um die körperliche Tauglichkeit festzustellen. Diese soll ab dem 1. Januar 2027 flächendeckend gelten.
- Der eigentliche Wehrdienst bleibt vorerst freiwillig, auch wenn ein Dienst von mindestens sechs Monaten angestrebt wird. Sollte die Bundeswehr ihre Rekrutierungsziele nicht erreichen, sieht das Gesetz vor, dass der Bundestag zu einem späteren Zeitpunkt eine bedarfsgesteuerte Form der Wehrpflicht aktivieren könnte.
Warum diese Reform?
Hintergrund der Reform ist der langfristige Plan, die Bundeswehr personell zu stärken ( Anmerkung der Redaktion: Aktuell gibt es ca. 182 064 aktive Soldaten in Deutschland) und ihre Reserven auszubauen. Deutschland will die Zahl aktiver Soldaten und Reservist:innen in den kommenden Jahren deutlich erhöhen – auch vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen in Europa.
Ein Gesetz mit Widerstand
Die neue Regelung ist nicht unumstritten. In rund 90 Städten haben Tausende Schülerinnen und Schüler sowie junge Menschen demonstriert und gegen den Schritt protestiert – sie sehen darin eine Einschränkung persönlicher Freiheit und warnen vor einer Rückkehr zur Wehrpflicht.
Denn keine Frage.Für viele Jugendliche und ihre Familien bringt das Gesetz in den kommenden Jahren direkte Auswirkungen:
- Junge Erwachsene müssen sich bereits mit 18 Jahren offiziell registrieren und ihre Bereitschaft und Eignung erklären.
- Die verpflichtende Musterung ab 2027 bedeutet, dass körperliche Untersuchungen für Männer unumgänglich werden – auch wenn niemand automatisch zum Dienst verpflichtet wird.
- Sollte die freiwillige Rekrutierung nicht ausreichen, könnte der Bundestag später zusätzliche Schritte beschließen, die verpflichtenden Dienst wieder stärker als früher zu implementieren.
Die neue Wehrdienst-Regelung stellt einen historischen Einschnitt in Deutschlands sicherheitspolitische Ausrichtung dar. Sie bewegt sich zwischen Freiwilligkeit und verpflichtender Erfassung und spiegelt die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Spannungen wider. Während Regierung und Verteidigungspolitiker sie als notwendig für die Sicherheit des Landes sehen, empfinden viele junge Menschen sie als einen tiefgreifenden Eingriff in ihre Lebensplanung.







