Was wir heute über Alzheimer wissen – und warum die Forschung Hoffnung macht

Wo sind meine Schlüssel? Wie hieß noch gleich der Schauspieler? Warum bin ich eigentlich in dieses Zimmer gegangen? Solche Momente kennt fast jeder. Doch wann ist Vergesslichkeit noch normal – und wann könnte mehr dahinterstecken? Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Demenzerkrankung. Hinter jeder Diagnose stehen auch Partner, Kinder, Freunde und Angehörige, deren Alltag sich oftmals grundlegend verändert. Der Welt-Alzheimertag am 21. September 2026 rückt das Thema unter dem Motto „Demenz – (k)eine Frage des Alters“ in den Mittelpunkt.

Demenz ist keine normale Begleiterscheinung des Älterwerdens. Zwar steigt das Risiko mit zunehmendem Alter, doch auch jüngere Menschen können erkranken. Gleichzeitig macht die Forschung Fortschritte: Neue Medikamente können bei bestimmten Alzheimer-Patienten das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Moderne Biomarker und Bluttests könnten zudem künftig dazu beitragen, Alzheimer früher und einfacher zu erkennen.

Können wir Demenz verhindern?

Eine Garantie gibt es nicht. Doch aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass wir unser persönliches Risiko zumindest teilweise beeinflussen können. Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren zählen unter anderem Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Aber auch Hörverlust, unbehandelte Sehprobleme, Depressionen und soziale Isolation spielen eine Rolle. Die einfache Faustregel lautet: Was Herz und Gefäße schützt, ist häufig auch gut für unser Gehirn. Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, soziale Kontakte und geistige Aktivität sind deshalb wichtige Bausteine für gesundes Altern. Dafür braucht es keinen Leistungssport: Spaziergänge, Radfahren, Gartenarbeit oder Tanzen bringen Bewegung in den Alltag. Freunde treffen, lesen, Karten spielen, gemeinsam kochen oder ein neues Hobby entdecken fordert gleichzeitig unseren Kopf.

Auch gutes Hören wird häufig unterschätzt. Wer Gesprächen aufgrund eines Hörverlustes nur noch schwer folgen kann, zieht sich möglicherweise zunehmend zurück. Hörprobleme sollten deshalb nicht einfach als Alterserscheinung hingenommen werden.

Vergesslich oder bereits dement?

Nicht jeder vergessene Name ist ein Warnsignal. Aufmerksam werden sollte man vor allem dann, wenn Veränderungen häufiger auftreten und den Alltag beeinträchtigen. Werden Termine regelmäßig vergessen? Bereiten vertraute Wege plötzlich Schwierigkeiten? Lassen Sprache oder Orientierung deutlich nach? Fallen alltägliche Tätigkeiten zunehmend schwer? Dann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Gedächtnisprobleme bedeuten nicht automatisch Alzheimer. Auch andere Erkrankungen, Depressionen, Medikamente oder körperliche Ursachen können ähnliche Beschwerden hervorrufen.

Nach der Diagnose geht das Leben weiter

Eine Demenzdiagnose bedeutet nicht, dass Selbstständigkeit und Lebensqualität sofort verloren gehen. Bewegung, Ergotherapie, Physiotherapie, kognitive Aktivierung und Anpassungen des Wohnumfeldes können dazu beitragen, vorhandene Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten.

Statt ausschließlich zu fragen „Was kann dieser Mensch nicht mehr?“, sollten wir häufiger fragen: „Was kann dieser Mensch noch – und wie können wir ihn dabei unterstützen?“

Menschen mit Demenz können weiterhin Freundschaften pflegen, Musik genießen, gemeinsam essen, spazieren gehen, lachen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Genauso wichtig ist die Unterstützung der Angehörigen. Pflegestützpunkte, Beratungsstellen, ambulante Dienste, Tagespflege und Angehörigengruppen können Familien entlasten. Hilfe sollte möglichst früh in Anspruch genommen werden – und nicht erst dann, wenn die eigenen Kräfte erschöpft sind.

Demenz geht uns alle an

Der Welt-Alzheimertag erinnert daran, genauer hinzusehen: auf den Nachbarn, der sich plötzlich zurückzieht. Auf den Vater, der zunehmend Termine verwechselt. Aber ebenso auf die Tochter, die neben Beruf und Familie ihre Mutter betreut. Denn nicht alles an einer Demenzerkrankung können wir beeinflussen. Sehr wohl aber, wie wir als Gesellschaft mit Betroffenen und ihren Angehörigen umgehen.

Veranstaltungstipp: Demenzwochen im Kannenbäckerland

Rund um den Welt-Alzheimertag wird das Thema auch im Kannenbäckerland aufgegriffen. Die Demenzwochen bieten Gelegenheit, sich zu informieren, miteinander ins Gespräch zu kommen und die Erkrankung aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen.

Ein besonderer Programmpunkt ist eine Lesung aus dem Roman „Blinde Kuh“ der Koblenzer Autorin Katharina Göbel am 23. September ab 18 Uhr im AWO-Pavillon in Höhr-Grenzhausen. Das Buch erzählt einfühlsam von Demenz innerhalb einer Familie: Drei Generationen erleben die Erkrankung aus unterschiedlichen Perspektiven – zwischen Überforderung, Verlust, Liebe, Verantwortung und Momenten der Nähe.

Die Lesung macht ein Thema, das häufig vor allem mit medizinischen Begriffen verbunden wird, auf sehr persönliche Weise erfahrbar und zeigt: Demenz betrifft niemals nur einen Menschen, sondern immer auch sein Umfeld.

Die Demenzwochen im Kannenbäckerland laden Betroffene, Angehörige und Interessierte dazu ein, sich zu informieren, auszutauschen und Demenz aus der Tabuzone zu holen.