Führerschein vergessen? Fahrzeugschein liegt im anderen Auto? Solche Situationen können bald der Vergangenheit angehören. Deutschland treibt die Digitalisierung rund ums Auto voran. Der Fahrzeugschein kann bereits digital auf dem Smartphone mitgeführt werden – und bis Ende 2026 soll auch der digitale Führerschein folgen. Damit verschwindet ein Stück deutscher Papier- und Kartenkultur aus dem Auto.

Der Fahrzeugschein steckt schon im Smartphone

Mit der i-Kfz-App können Autofahrer die Zulassungsbescheinigung Teil I – besser bekannt als Fahrzeugschein – digital auf ihrem Smartphone hinterlegen. Das ist besonders praktisch, wenn mehrere Personen ein Fahrzeug nutzen. Der digitale Fahrzeugschein kann geteilt werden, sodass beispielsweise Familienmitglieder Zugriff auf die Fahrzeugdaten erhalten können. Auch für Unternehmen mit mehreren Fahrzeugen ist die digitale Lösung sehr interessant. Das Bundesverkehrsministerium sieht darin nur den Anfang: Nach und nach sollen weitere Dokumente rund um Fahrzeug und Fahrer digital verfügbar werden.

Jetzt kommt der digitale Führerschein

Der nächste große Schritt betrifft den Führerschein. Die gesetzlichen Voraussetzungen dafür sind inzwischen geschaffen. Das entsprechende Gesetz trat am 1. Juli 2026 in Kraft. Voraussichtlich Ende 2026 soll der nationale digitale Führerschein in Deutschland verfügbar werden. Er soll zunächst ebenfalls über die i-Kfz-App abrufbar sein. Damit könnte bei einer Verkehrskontrolle künftig das Smartphone genügen, um die Fahrerlaubnis nachzuweisen. Anfang 2027 soll der digitale Führerschein zusätzlich in die staatliche europäische EUDI-Wallet integriert werden. Langfristig entsteht damit eine digitale Brieftasche, in der verschiedene persönliche Dokumente und Nachweise gespeichert werden können.

Warum wird das überhaupt gemacht?

Der digitale Führerschein soll nicht nur die Polizeikontrolle vereinfachen. Interessant wird er beispielsweise auch beim Carsharing oder bei der Anmietung eines Autos. Statt Führerscheindaten immer wieder manuell anzugeben oder eine Karte fotografieren zu müssen, könnten entsprechende Nachweise künftig digital übermittelt werden. Auch beim Fahrzeugkauf, bei Zulassungen oder Versicherungen könnte die zunehmende Digitalisierung langfristig Abläufe vereinfachen. Das Smartphone entwickelt sich damit immer stärker zum digitalen Schlüsselbund und Dokumentenordner für unsere Mobilität.

Und was passiert, wenn der Akku leer ist?

Genau hier zeigt sich, warum die klassische Karte noch nicht sofort verschwinden wird. Digitale Dokumente sind bequem – aber ein Smartphone kann verloren gehen, beschädigt werden oder schlicht keinen Akku mehr haben. Autofahrer sollten deshalb zunächst nicht davon ausgehen, dass sämtliche klassischen Dokumente von heute auf morgen überflüssig werden. Auch bei Fahrten ins Ausland muss darauf geachtet werden, ob der digitale Nachweis dort anerkannt wird. Die Digitalisierung erfolgt schrittweise. Wer ins Ausland fährt, ist daher gut beraten, die klassischen Dokumente weiterhin mitzunehmen.

Das Auto selbst wird immer digitaler

Doch nicht nur Führerschein und Fahrzeugschein wandern aufs Smartphone. Moderne Autos sind längst rollende Computer. Navigation, Smartphone-Anbindung, automatische Notrufsysteme und zahlreiche Assistenzsysteme gehören bei Neuwagen zunehmend zum Alltag. Gleichzeitig gewinnt Software immer mehr Bedeutung. Updates können Fahrzeugfunktionen verändern oder Fehler beheben, ohne dass das Auto dafür zwingend in die Werkstatt muss. Diese Entwicklung wird sich weiter beschleunigen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Fahrzeuge können komfortabler und sicherer werden. Gleichzeitig entstehen neue Fragen zu Datenschutz, Datensicherheit und darüber, wem die vom Fahrzeug gesammelten Informationen eigentlich gehören.

Was Autofahrer jetzt tun können

Noch besteht kein Grund, den Kartenführerschein zu Hause in die Schublade zu legen. Interessierte können sich aber bereits mit der i-Kfz-Appund dem digitalen Fahrzeugschein vertraut machen. Wer mehrere Fahrzeuge besitzt oder sich ein Auto mit anderen Familienmitgliedern teilt, kann von der digitalen Lösung schon heute profitieren. Spannend wird es dann gegen Jahresende: Wenn der digitale Führerschein wie geplant verfügbar wird, könnte für Millionen Autofahrer eines der wichtigsten Dokumente des Alltags erstmals dauerhaft ins Smartphone wandern.

Kommt bald das papierlose Auto?

Ganz verschwinden werden Karten und Dokumente zunächst nicht. Die Richtung ist jedoch eindeutig: Zulassungen können zunehmend online erledigt werden, der Fahrzeugschein ist bereits digital verfügbar und der Führerschein soll folgen. Gleichzeitig werden Autos selbst immer stärker vernetzt. Vielleicht wird man sich deshalb schon in einigen Jahren wundern, warum wir Führerschein und Fahrzeugschein jahrzehntelang als Karte und Papier im Portemonnaie beziehungsweise Handschuhfach mit uns herumgetragen haben.

Das Auto der Zukunft fährt nicht nur elektrisch oder zunehmend automatisiert – es wird vor allem digital. Und dieser Wandel hat längst begonnen (ob wir wollen oder nicht).