„Am Ende vom Tag müssen wir auch in der Polizei aufpassen, dass es bei uns nicht so ein Déjà Vu gibt wie aktuell bei der Bundeswehr.“

Wir haben uns mit dem Koblenzer Polizeipräsidenten Karlheinz Maron unter anderem über seinen Zugang zur Polizei und seinem dienstlichen Werdegang unterhalten, aber auch wie es gelingen kann junge Menschen für den Beruf zu begeistern und wie die aktuellen Herausforderungen im Polizeidienst aussehen.

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Wie sehen Ihre aktuellen Ziele mit dem gewachsenen Verantwortungsbereich aus, die Sie gerne umgesetzt sehen?

Es ist die Aufgabe der Polizei, und eben auch die des Polizeipräsidenten, größtmögliche Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger, für die er verantwortlich ist, zu gewährleisten.


Wie sollte man junge Menschen dafür begeistern, den Polizeidienst anzutreten?

Also der Polizeiberuf ist für mich immer noch einer der interessantesten überhaupt. Und das wichtigste ist eigentlich: es ist nicht nur ein Beruf! Sie haben innerhalb der Polizei Rheinland-Pfalz und darüber hinaus die Möglichkeit ganz viele Berufe wahrzunehmen. Sie können ganz normal im Wechselschichtdienst arbeiten, im Kontakt mit dem Bürger. Sie können zur Kriminalpolizei, zur Wasserschutzpolizei oder zu den Spezialeinheiten gehen. Sie können aber auch IT Fachmann, Techniker oder Hundeführer werden und so weiter. Und das ist alles innerhalb der Polizei Rheinland-Pfalz möglich ohne den Arbeitgeber zu wechseln.


Welche Erwartungen haben Sie an die Politik für die Zukunft? Was ist noch verbesserungswürdig?

Die ein oder andere technische Unterstützung, wir nennen das Führungs- und Einsatzmittel. Wir müssen auch mit der Entwicklung der Kriminalität Schritt halten. Wir brauchen die ein oder andere Weiterentwicklung von Befugnissen. Am Ende vom Tag müssen wir auch in der Polizei aufpassen, dass es bei uns nicht so ein Déjà Vu gibt wie aktuell bei der Bundeswehr.


Wie stark war denn der Polizeidienst durch die Pandemie betroffen?

Der war schon ziemlich betroffen – und zwar in zweierlei Hinsicht: Der ist einmal ziemlich stark betroffen in die Polizei hinein, weil die innere Kommunikation schon sehr viel schwieriger war. Wir mussten ja auch auf die Gesundheit achten. Polizeiberuf ist ein Teamberuf. Ein Beruf im Miteinander. Und das ist natürlich, wenn man sich mit Masken und Abstand schützen muss, ganz schwierig. Besprechungen fanden überwiegend über Video statt. Auch das hemmt. Und dann aber auch mit dem Bürger. Auch dort ist die Polizei zu großen Teilen kommunikativ ausgerichtet, was unter der Maske natürlich schwierig ist. Im Übrigen sind wir Eingriffsverwaltung. Es war auch Teil unserer Aufgabe – mit Unterstützung der Kommunen – unangenehme Maßnahmen durchzusetzen.


Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in der aktuellen Zeit für die Polizei?

Dass es schon einen gesellschaftlichen Wandel gibt. Es wird alles immer schneller, zum Großteil immer anonymer, und dort muss auch die Polizei Schritt halten. Es ist eine große Herausforderung, dass man da nicht immer drei, vier Schritte zu spät kommt. Diese Schritthaltung mit den gesellschaftlichen Veränderungen sehe ich als große Voraussetzung. Und am Ende vom Tag kostet das dann auch Geld. (…)


Ist es da nicht auch ganz besonders wichtig, dass die Polizei unter dem Oberbegriff des „Freund und Helfers“ weiterhin im Bewusstsein der Bevölkerung bleibt?

Ja, das ist so. Das ist auch bei dem Großteil der Bevölkerung kein großes Problem. Weil ich glaube, dass viele die Polizei noch als Freund und Helfer sehen. Aber es gibt dann eben auch bestimmte gesellschaftliche Gruppen und Personen, die verlieren ein Stück weit den Respekt. Und da kann es dann nicht mehr die Aufgabe der Polizei sein Freund und Helfer zu sein, sondern da muss man auch konsequent einschreiten. Das bedarf auch die Unterstützung der Gesellschaft.


Vielen Dank, Karlheinz Maron, vielen Dank Johannes Fischer, der das Interview in unserem Auftrag führte.